Ein interessantes Programm hat Thomas Etschmann mit dieser CD vorgelegt. Es kontrastieren sowohl Stücke lateinamerikanischen Ursprungs mit westeuropäischen Klassikern, als auch Barock und Moderne. Vor allem aber überzeugt die souveräne Spielart von Etschmann, einem Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe. Nun besagt die Tatsache, daß ein Gitarrist ausgezeichnet wurde, nicht immer etwas über seine künstlerischen Fähigkeiten. Hier wird jedoch schon bei Dyens Saudade Nr.3, oder dessen EIoge de Leo Brouwer, deutlich, daß Etschmann die nötige Aggressivität und Virtuosität für diese Musik aufbringt, gleichzeitig nie die Kontrolle über das Instrument verliert, immer auch jeden einzelnen Ton bewußt formt. Gleichzeitig werden große musikalische Bögen hörbar, die ruhig durchgeatmet erscheinen. So freut man sich schon auf Brittens Nocturnal. Erst in jüngster Zeit ist es den Gitarristen gelungen, bei diesem Stück aus dem Schatten Breams herauszutreten.
Etschmann geht vom ersten Takt an eigene Wege, faßt die Struktur der Musik großräumig zusammen, vermeidet jeglichen Anflug von Sentimentalität und zeigt, daß ruhige Stellen nicht unbedingt langsam (zer)fließen müssen. Er setzt aber nicht auf Originalität, um interessant zu erscheinen, sondern bleibt immer hart am Notentext. Man darf gespannt sein, was dieser technisch und musikalisch brillante Gitarrist in Zukunft bieten wird.
erschienen in Staccato