Auf der Gitarre vom Barock zur Moderne
Virtuose Vorstellung im Runtingersaal
Der junge Gitarrist Thomas Etschmann, der am Mozarteum in Salzburg bei Eliot Fisk studierte, gastierte nun im Regensburger Runtingersaal. Tonkunst aus dem Barock, der Romantik und des 20. Jahrhunderts standen auf seinem Programm.
Einleitend erklang Johann Sebastian Bachs Suite D-Dur (BWV 1012). Durch die Transkription des Ausführenden wirkte die ursprünglich für ein fünfsaitiges Cello geschriebene Komposition erstaunlich geschmeidig. Etschmann überzeugte vor allem mit seiner differenziert abgestimmten Dynamikarbeit im Präludium und der sehr gefühlvoll interpretierten Sarabande, wo er die Harmonien auskostete und in schönen Arpeggien auslegte. In der Gavotte beeindruckte der durch die verschiedenen Positionen der rechten Hand hervorgerufene Klangfarbenwechsel.
Da der Komponist Mauro Giuliani (1781- 1829) während der Arbeit an einer »Sonata Eroika« op. 150 verstarb, blieb dieses groß angelegte Werk nur einsätzig. Aber auch dieser erste Satz birgt enorme technische Anforderungen an den Austührenden. So springt die linke Hand nicht selten vom ersten bis über den zehnten Bund hinaus und wieder zurück. Mit spielerischer Leichtigkeit meisterte der Gitarrist diese Schwierigkeiten und kam ebenso gut mit dem Wechsel von virtuosen Läufen und Akkorden zurecht. Roland Dyens (geb. 1954) »Eloge de Leo Brouwer« mit seinen Ostinato-Figuren, aus welchen anspruchsvolle Läufe quellen, bereitete keinerlei Probleme.
Selbiges gilt auch für die oft durch verwobene Komplementär – Rhythmik interessant gearbeiteten »Variationen über ein Thema von Django Reinhardt« von Leo Brouwer (geb. 1939) selbst. Zum abschließenden Klangerlebnis wurde Benjamin Brittens »Nocturnal after John Dowland« op. 70. Im kaum mehr hörbaren und doch von selbstbewußter Prägung durchdrungenen Pianissimo setzte der Gitarrist die neoImpressionistischen Ausklänge in Szene. Außerdem konnte man schöne Flageoletts und ausdrucksstark interpretierte aufzuckende Motive vernehmen, bis sich Dowlands Original-Melodie abschließend den Weg bahnte.
erschienen in RZ