Einer Entdeckung gleich kam das Musica da Camera-Konzert mit Thomas Etschmann, der nicht nur einen bedeutenden Wettbewerbssieg aufweisen kann, sondern - was viel wichtiger ist - Ausstrahlung besitzt. Die starre Konzertsituation überwand er, indem er zu den einzelnen Stücken einführende Worte sprach und so rasch einen Kontakt mit dem Publikum herstellte. Das Programm, das er vortrug, wies viele unbekannte Werke auf. Mit erstaunlicher Virtuosität spielte er zwei Kompositionen von M. Giuliani und stellte diesem Komponisten aus der Klassik zeitgenössische Musik von Leo Brouwer, Arturo Sachetti Heinz Benker und Benjamin Britten gegenüber. Dabei wurde er einfühlsam der Vielfalt der Stile gerecht und traf stets das Wesentliche, ob es ein Thema von Django Reinhardt, die Nachahmung italienischer Kantabilität oder eine deklamatorische Rhythmik war. Kammermusikalisch dicht begleitete er die mit klarem Ton spielende, differenziert und temperamentvoll artikulierende Flötistin Elisabeth Weinzierl in Benkers Sieben Szenen" für Flöte und Gitarre, ein gleichermaßen klanglich, rhythmisch und melodisch interessantes Werk. Etschmann ließ das Konzert mit Brittens Nocturnal after John Dowland" ausklingen. Dabei fesselte er das Publikum durch die Ruhe seines Spieles, das Gewicht und den Schattierungsreichtum eines jeden Tones und vor allem den Mut zu einem wahrhaftigen Pianissimo, wobei aber sein Spiel nichts an Eindringlichkeit und innerer Spannung verlor. Ein vielversprechender Künstler!
erschienen in Neue Musikzeitung